Katharina Bauernschmidt in Tokio

Katharina Bauernschmidt war im Kindes- und Jugendalter eine leistungsorientierte Schwimmerin und ist seit ihrem 21. Lebensjahr durch einen Routine-Eingriff an der Bandscheibe querschnittsgelähmt. Auf der Suche nach einem neuen Sport wurde sie vom Deutschen Rollstuhlsportverband nahe ihrer Heimatstadt an einen beheimateten Kanuverein für ein Probetraining vermittelt. Im Herbst 2017 setzte sie sich erstmals in das Auslegerboot, den sogenannten Va’a. Die Athletin des WSV Niederrhein Duisburg trainiert neben zwei Einheiten pro Tag auf dem Wasser zusätzlich sechs Tage die Woche im Kraftraum. Bei einer Sichtung im Frühjahr 2018 überzeugte sie den damaligen Cheftrainer der Para-Kanu-Nationalmannschaft und nahm noch im gleichen Jahr an internationalen Wettkämpfen teil. Daraufhin sicherte sich die Kanutin 2019 bei den interkontinentalen Titelkämpfen im ungarischen Szeged über einen guten Vorlauf in der Klasse VL2 einen Startplatz im Finale, in dem die ersten Quotenplätze für die Paralympics vergeben wurden. Das Ticket für Tokio war damit gebucht.

 

Die Paralympischen Spiele, auch Paralympics genannt, sind die an die Idee der Olympischen Spiele angelehnten globalen Sportwettbewerbe für Sportler mit Körperbehinderung. Seit 2016 ist Para Kanu Teil der Spiele und wird in einem Rennkanu in festen Bahnen über eine Distanz von 200 Meter ausgeübt. Die Kanutin wird im Einer-Rennen mit dem Auslegerkanu Va´a (V1) an den Start gehen. Das Auslegerkanu Va´a ist neu im Programm und ist zwei Meter länger als das Kajak. Zudem hat das Kanu an einer Seite einen mit zwei Streben verbundenen Ausleger, der das Boot stabilisiert. Es wird ausschließlich auf der Seite gepaddelt, an der der Ausleger befestigt ist. Mit Hilfe von Hodey wurde ein passgenauer Sitz für das Rennkanu hergestellt, welcher Eins-zu-eins auf die Körperanatomie von Katharina angepasst ist. Durch unsere modernsten Technologien konnte ein bequemer und leichter Sitz aus Carbon angefertigt werden. Die Boote der Teilnehmer sind bereits seit Anfang Juni im Container unterwegs.

 

Bei den diesjährigen Paralympics sind 134 Athleten/-innen vom Deutschen Behindertensportverband nominiert und in 18 der 22 Sportarten am Start. Die Sportler/-innen werden abhängig von ihren Bewegungsmöglichkeiten der Beine, der Arme und des Rumpfes in drei unterschiedliche Startklassen eingeteilt.

Katharina wird nach der Deutschen Meisterschaft in Hamburg am 17.08.2021 nach Naka in Japan fliegen, um dort das abschließende Trainingslager zu beziehen. Die Wettkämpfe auf dem Sea Forest Waterway in Tokio beginnen am Donnerstag, den 02.09.2021, mit den Vorläufen. Am Freitag und Samstag, den 03. und 04.09.2021, werden dann die Finalrennen stattfinden.

 

Interview:

 

Wie bereitest Du Dich kurz vor dem Wettkampf vor?

Katharina Bauernschmidt berichtete, dass sie kurz vor den Paralympics noch auf den Deutschen Meisterschaften in Hamburg sei und am Dienstag, den 17.08.2021 von Frankfurt aus nach Tokio fliege.

 

War es ein Ziel von Dir an den Paralympischen Spielen teilzunehmen? Hast Du damit gerechnet?

Katharina teilte uns mit, dass es ein Wunsch von ihr gewesen sei, an den Paralympics teilzunehmen und dass das harte Training und die vorherigen Wettkämpfe gezeigt haben, dass sie auch eine Chance dazu habe. Als Katharina bei der Weltmeisterschaft 2019 unter die ersten sechs kam und alle gejubelt haben, habe sie gewusst, dass sie nominiert war.

 

Hast Du bestimmte Rituale vor den Paralympischen Spielen?

Die Para-Kanutin berichtete, dass sie sich genauso wie bei anderen Wettkämpfen vorbereite: „man fokussiert sich und weiß, dass man abliefern muss.“

 

Wie ist der Zusammenhalt im Deutschen Parakanu-Team?

Bei den Paralympics seien noch weitere Teilnehmer aus ganz Deutschland dabei, Katharina sei allerdings die Einzige aus dem Westen. Sie seien ein Team, aber auch alle Einzelkämpfer, erzählt uns Katharina. Sie würden sich gegenseitig unterstützen, aber jeder habe seine eigene Strategie. Das Team wohne zusammen in den gleichen Unterkünften, wie bei den Olympischen Spielen.

 

Ist die Nervosität vor den Paralympics größer als vor anderen Wettkämpfen?

Die Nervosität sei die Gleiche wie bei anderen Wettkämpfen. „Da es keine Zuschauer gibt und kein richtiges Klatschen, fühlt es sich eher an wie ein Training.“, berichtete die Para-Kanutin.

 

Machst Du Dir bezüglich Corona Gedanken oder schränkt es Deine Vorfreude ein?

Katharina erzählte uns, dass sie sich über die Situation in Tokio und um das Dorf herum Gedanken mache, aber froh über die Chance sei, an den Paralympischen Spielen teilnehmen zu können. Zudem gäbe es hohe Auflagen und Hygienemaßnahmen.

 

Freust Du Dich über die anderen/bestimmte Teilnehmer vor Ort?

Der Kontakt zu anderen Teilnehmern sei durch Corona untersagt, berichtete die Paralympic-Teilnehmerin. Zudem starte sie selbst erst am Ende des Turniers und sei im vorletzten Team der Deutschen.

 

Startest Du lieber mit dem Einzelkajak oder dem Auslegerkanu?

„Ich starte nur mit dem Auslegerkanu Va´a, da ich damit am stärksten bin und darauf meinen Fokus legen möchte.“, berichtete Katharina.

 

Was machst Du als Ausgleich zum Sport?

Katharina erzählte uns, dass sie gerne gemeinsam mit ihrem Freund Moped fahre und Touren plane, um zu entspannen und auf andere Gedanken zu kommen.

 

 

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